Ausbildungsbezeichnungen sagen wenig über die tatsächliche Qualifikation aus
Solche Bezeichnungen klingen zunächst nach einer bestimmten Qualifikation. Das Problem:
Aus dem Titel allein lässt sich nicht erkennen, was tatsächlich gelernt wurde.
Es gibt für viele dieser Bezeichnungen keine allgemein verbindliche Definition. Unterschiedliche Anbieter können deshalb denselben oder einen ähnlichen Kurstitel verwenden, obwohl sich Inhalte, Umfang, Prüfungen und Anforderungen erheblich unterscheiden. Wer Ausbildungen vergleichen möchte, sollte deshalb nicht zuerst den Namen betrachten. Sondern den Inhalt.
Ein Titel ist keine Ausbildungsbeschreibung
Ein Kurstitel fasst ein Bildungsangebot in wenigen Worten zusammen.
Er sagt jedoch nicht automatisch etwas darüber aus:
Zwei Kurse mit derselben Bezeichnung können daher völlig unterschiedliche Ausbildungsleistungen darstellen.
Umgekehrt können zwei unterschiedlich bezeichnete Kurse fachlich sehr ähnliche Inhalte vermitteln.
Der Titel allein ist deshalb kein verlässliches Vergleichskriterium.
Was sollte man stattdessen vergleichen?
Eine Ausbildung lässt sich wesentlich objektiver beurteilen, wenn konkrete und überprüfbare Merkmale betrachtet werden.
Dazu gehören insbesondere:
Lernziele
Welche Kenntnisse und Kompetenzen sollen Teilnehmer nach Abschluss besitzen?
Lernziele sollten möglichst konkret formuliert sein.
Nicht:
„Die Teilnehmer lernen alles Wichtige über Sauna.“
Sondern beispielsweise:
„Die Teilnehmer können die thermoregulatorischen Reaktionen des menschlichen Körpers während eines Saunabades erläutern.“
oder:
„Die Teilnehmer können die Risiken eines Aufgusses unter Berücksichtigung von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wassermenge beurteilen.“ Konkrete Lernziele machen Ausbildung vergleichbar.
Inhalte
Welche Themen werden tatsächlich vermittelt?
Bei einer professionellen Saunaausbildung können dazu beispielsweise gehören:
Eine bloße Kursbezeichnung lässt nicht erkennen, welche dieser Bereiche tatsächlich Bestandteil der Ausbildung sind.
Ein Inhaltsverzeichnis schon.
Umfang
Auch der Ausbildungsumfang sollte transparent sein.
Dabei ist nicht allein die Zahl der Unterrichtsstunden entscheidend.
Wichtiger ist die Frage:
Was wird innerhalb dieser Zeit tatsächlich vermittelt?
Ein kompakter Kurs kann sinnvoll sein, wenn das Lernziel begrenzt ist.
Eine umfassende berufliche Qualifikation benötigt dagegen entsprechend umfangreiche Inhalte.
Deshalb sollte der Umfang immer gemeinsam mit dem Curriculum betrachtet werden.
Theorie und Praxis
Eine weitere wichtige Frage lautet:
Welche Inhalte sind theoretisch?
Welche Kompetenzen werden praktisch trainiert?
Welche praktischen Leistungen müssen nachgewiesen werden?
Auch hier hilft die Kursbezeichnung allein nicht weiter.
Ein sogenannter Praxiskurs kann große theoretische Anteile enthalten.
Ein Onlinekurs kann dagegen praktische Aufgaben, Videoübungen, Messungen oder praktische Kompetenznachweise umfassen.
Entscheidend ist deshalb nicht das Etikett.
Entscheidend ist, was tatsächlich verlangt wird.
Prüfungen
Eine Qualifikation wird besonders dann nachvollziehbar, wenn beschrieben wird, wie Lernergebnisse überprüft werden.
Zum Beispiel durch:
Auch hier gilt:
Ein Zertifikat allein sagt noch nicht, wie anspruchsvoll der Nachweis war.
Interessant ist vielmehr, welche Kompetenzen geprüft wurden.
Kompetenz statt Teilnahme
Zwischen Teilnahme und Qualifikation besteht ein Unterschied.
Eine Teilnahmebescheinigung bestätigt zunächst, dass jemand an einer Veranstaltung teilgenommen hat.
Eine Qualifikation sollte darüber hinaus erkennen lassen, welche Lernziele erreicht oder welche Prüfungen bestanden wurden.
Deshalb ist eine weitere wichtige Frage:
Was muss ein Teilnehmer nachweisen, um das Zertifikat zu erhalten?
Nachprüfbarkeit statt Werbeversprechen
Aussagen wie
„führende Ausbildung“,
„höchster Standard“,
„umfassendste Qualifikation“,
„international anerkannt“
oder
„professioneller Standard“
klingen überzeugend.
Für einen sachlichen Vergleich sind solche Aussagen jedoch nur begrenzt hilfreich, solange nicht erklärt wird, worauf sie beruhen.
Besser vergleichbar sind konkrete Angaben.
Zum Beispiel:
Diese Informationen können überprüft werden.
Werbeversprechen dagegen nicht ohne Weiteres.
Was bedeutet „anerkannt“?
Auch der Begriff „anerkannt“ sollte genauer betrachtet werden.
Anerkannt durch wen?
Durch einen Berufsverband?
Durch einen Arbeitgeber?
Durch eine Zertifizierungsstelle?
Durch eine Bildungseinrichtung?
Durch eine Behörde?
Oder lediglich durch den jeweiligen Anbieter selbst?
Ohne diese Information bleibt der Begriff unbestimmt.
Deshalb sollte bei entsprechenden Aussagen immer geprüft werden:
Welche Institution erkennt die Qualifikation an und auf welcher Grundlage?
Was bedeutet „zertifiziert“?
Auch „zertifiziert“ ist kein einheitlicher Qualitätsbegriff.
Ein Zertifikat ist zunächst ein Dokument, das etwas bestätigt.
Die entscheidende Frage lautet:
Was genau wird damit bestätigt?
Zum Beispiel:
Erst diese Information macht den Wert eines Zertifikats nachvollziehbar.
Gleicher Titel – unterschiedliche Ausbildung
Stellen wir uns zwei Kurse mit derselben Bezeichnung vor.
Beide heißen:
Sauna-Meister.
Kurs A umfasst wenige Themen und endet nach einer kurzen Schulung.
Kurs B behandelt zusätzlich Physiologie, Wärmeübertragung, Sicherheit, Aufguss, Duftstoffe, Technik, Hygiene, Organisation und Qualitätsmanagement und verlangt mehrere Prüfungsleistungen.
Der Titel ist identisch.
Die Ausbildung ist es nicht.
Genau deshalb sollte ein Vergleich nie beim Kursnamen enden.
Unterschiedlicher Titel – vergleichbare Kompetenz
Auch das Gegenteil ist möglich.
Ein Anbieter bezeichnet einen Kurs als „Sauna-Fachkraft“.
Ein anderer nennt eine vergleichbare Ausbildung „Saunameister“.
Die Namen unterscheiden sich.
Die Lernziele können dennoch ähnlich sein.
Deshalb sollten Qualifikationen nicht allein über Begriffe eingeordnet werden.
Entscheidend ist die dokumentierte Kompetenz.
Das International Sauna Qualification System
Die Deutsche Sauna-Akademie verwendet das International Sauna Qualification System – ISQS, um unterschiedliche Qualifikationsstufen nachvollziehbar zu strukturieren.
Dabei werden Ausbildungswege nicht nur durch Titel beschrieben, sondern durch:
Dadurch soll nachvollziehbar werden, was hinter einer bestimmten Qualifikation steht.
Qualifikationen sollten vergleichbar sein
Ein sinnvoller Ausbildungsvergleich könnte deshalb folgende Fragen stellen:
Wenn diese Informationen verfügbar sind, wird ein Vergleich möglich.
Auch dann, wenn die Kurstitel unterschiedlich sind.
Titel sind Orientierung – Inhalte schaffen Transparenz
Kurstitel sind sinnvoll.
Sie helfen, Bildungsangebote zu ordnen und verständlich zu benennen.
Sie sollten jedoch nicht mit dem tatsächlichen Inhalt einer Ausbildung verwechselt werden.
Ein Titel kann einen ersten Hinweis geben.
Eine Qualifikation beschreibt er erst dann, wenn nachvollziehbar ist, was dahintersteht.
Deshalb empfehlen wir:
Vergleichen Sie nicht zuerst den Namen einer Ausbildung.
Vergleichen Sie:
Denn diese Kriterien sind überprüfbar.
Und genau darauf sollte professionelle Ausbildung beruhen.