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Hygienekonzept für Saunaanlagen

Natürlich stellt sich vor dem Hintergrund der vorgestellten Risikobewertung und insbesondere dem Wunsch zahlreicher Saunabadbetreiber nach einer raschen Wiedereröffnung des Badebetriebes die Frage nach möglichen und wirksamen Schutzmaßnahmen zur Reduzierung des Infektionsrisikos in Saunakabinen durch Tröpfcheninfektionen. Zentraler Punkt für eine möglichst rasche Wiedereröffnung von öffentlichen Saunaanlagen wird nach derzeitigem Kenntnisstand ein überzeugendes Hygienekonzept sein, welches belastbare Ansätze für eine Reduzierung des Infektionsrisikos in Saunaanlagen enthält, und damit die Rahmenbedingungen für einen möglichst sicheren Betriebsablauf bildet. Die Sperrung der unteren und mittleren Bank einer Saunakabine mit dem Verweis auf eine thermische Desinfektion wird als Hygienekonzept sicher nicht ausreichen. 

Vor dem Hintergrund des dargestellten Infektionsrisikos in Saunakabinen haben wir deshalb einen wissenschaftlich fundierten Maßnahmenkatalog erstellt, der den Saunabadbetreibern bei der Erstellung eines individuellen Hygienekonzeptes als Grundlage für die Wiedereröffnung helfen soll.  Der Schwerpunkt der Maßnahmen liegt dabei auf einer nachhaltigen Reduzierung des Infektionsrisikos.  Ob die vorgeschlagenen Maßnahmen einzeln oder zusammen wirtschaftlich noch tragbar sind oder im laufenden Geschäftsbetrieb in dieser oder abgewandelter Form umsetzbar sind,  ist nicht Gegenstand dieser Auflistung.  Jeder Saunabadbetreiber ist dazu angehalten und aufgefordert, die vorgeschlagenen Maßnahmen kritisch zu prüfen und auch auf wirtschaftliche Tragfähigkeit hin zu untersuchen.  Die abschließend zu beantwortende Frage bei der Bewertung dieser oder anderer muss immer lauten: Reicht das erstellte Hygienekonzept aus, um eine Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebes zu ermöglichen. Erst danach stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen, die sicher in einzelnen Betrieben wirtschaftlich optimiert werden können. 


Mit Blick auf die dargestellte Problematik lassen sich z.B. für die finnische Sauna folgende Empfehlungen formulieren:

1.1.1               Risikoanalyse und Risikobewertung

1.1.1.1               Tröpfcheninfektionen

 

In der finnischen Saunakabine kann es während eines Aufgusses zu Kontakten zwischen den Mitarbeitern und den Saunagästen kommen.

 Während des Betretens, des Aufenthaltes und des Verlassens der Saunakabine kann es zu Kontakten zwischen den Saunagästen kommen. Die Einhaltung der Mindestabstände ist zumindest fraglich.

 Die Annahme, dass durch die klimatischen Bedingungen der Sauna (90°C, 2-5 % rel. Feuchte) die Coronaviren vor einer Übertragung abgetötet werden, ist mit Blick auf den zeitlichen Ablauf der Tröpfcheninfektion als falsch zu bewerten. Aerosoltropfen werden durch Niesen oder Husten mit einer Geschwindigkeit von bis zu ca. 125 Metern pro Sekunde aus dem Nasen-Rachen-Raum abgehustet. Dieser Zeitraum ist deutlich zu kurz um die Aerosoltropfen auszutrocknen und die Viren zu inaktivieren. Eine Infektion wird vor der Austrocknung der Aerosolpartikel erfolgen. Die möglichen Infektionswege wurden ausführlich beschrieben.

Bedingt durch die geringe Luftfeuchte in der Saunakabine ist ebenfalls davon auszugehen, dass der Anteil der luftgetragenen Viren in der Saunakabine deutlich höher sein wird, als bei Raumtemperatur, da einer der Haupteliminaationswege für lufgetragene Viren (Absinken) hier signifikant reduziert wird.

 

1.1.1.2               Kontaktinfektionen

 Das Risiko einer Kontaktinfektion ist mit Blick auf die Infektionen mit Covid-19 als extrem gering einzustufen. Es sind bisher auch keine bestätigten Fälle einer Kontaktinfektion mit Corronaviren bekannt geworden. Auf der derzeitigen Datenbasis ist allerdings das Risiko einer Kontaktinfektion auch noch nicht grundsätzlich auszuschließen.

Grundsätzlich ist das Risiko einer Kontamination von Oberflächen als erster Schritt einer Kontaktinfektion abhängig von der Anzahl der Nutzer. Mit der absoluten Anzahl der Nutzer steigt statistisch betrachtet auch das Risiko, dass ein Nutzer Träger einer symptomlosen Infektion ist und infektiöse Viren ausscheidet, die Oberflächen kontaminieren. 

Gundsätzlich wird unterstellt, dass nur symptomlose, gesunde Nutzer die Anlagen nutzen. Gäste mit auch nur geringfügigen Krankheitssymptomen sollten im Rahmen des Infektionsschutzes in jedem Fall eigenverantwortlich zu Hause bleiben.

 Bedingt durch die hohen Temperaturen der Oberflächen in einer finnischen Sauna in der Badezone (obere Bank) ist anzunehmen, dass eine Inaktivierung der Viren vor einer möglichen Übertragung erfolgen wird. Kontaktinfektionen werden in einer trockenen und heißen finnischen Sauna keine Rolle spielen.

 

 

 

1.1.2               Risikominimierung

 Auflistung der Infektionsschutzmaßnahmen:

 o  Vorkehrungen zur Zutrittssteuerung - Abstand

Auch für die Saunakabinen gilt, dass eine der wirksamsten Mechanismen zur Sicherstellung von Mindestabständen darin besteht, die maximale Anzahl der gleichzeitig anwesenden Nutzer zu reduzieren. Je weniger Personen an einem beliebigen Zeitpunkt in der Saunakabine anwesend sind, desto geringer wird das Kontaktrisiko.

Auch wenn bei den Gesamtanlagen auf der Basis der Hygienepläne unter Umständen bereits die Gesamtnutzerzahl der Nutzer reduziert und geprüft wurde, ist es dennoch möglich, dass sich – warum auch immer – alle anwesenden Gäste gleichzeitig dazu entschließen, eine Saunakabine zu benutzten. Entsprechend ist es nötig, in einem ersten Schritt die maximal mögliche Anzahl der Nutzer für eine Saunakabine unter Einhaltung der Abstandsregeln festzulegen. Auf diese ermittelte Zahl ist die Anzahl der gleichzeitig anwesenden Nutzer in dieser Saunakabine dann zu begrenzen.

Der Eigenverantwortung der Nutzer kommt bei der Einhaltung der maximalen Anzahl von Nutzern in einer Kabine eine zentrale Bedeutung zu. Starre Vorgaben sind nicht zielführend, weil nicht abgeschätzt werden kann, ob unter den Gästen Personen aus einer Lebensgemeinschaft oder eines Haushaltes sind. Auch die Auswahl der Plätze ist variabel. Entsprechend wichtig ist es, die Maßnahmen nachvollziehbar zu kommunizieren. Bis auf wenige Ausnahmen ist es möglich, die Nutzer als mündige Bürger mit hohem Eigenverantwortungsbewußtsein zu betrachten, die die Infektionsschutzmaßnahmen aus eigenem Interesse nachhaltig umsetzen.

Insbesondere im Rahmen von Aufgüssen ist die Besucherzahl so zu wählen, dass die Mindestabstände einzuhalten sind. Ggf. ist auf Aufgüsse mit gleichzeitigem, hohem Besucheraufkommen zu verzichten.

Alternativen zum Sicherheitsabstand (Schutzmasken etc.) sind unter den physikalischen und physiologischen Bedingungen der Saunakabine weitgehend nutzlos. Ein wirksamer Infektionsschutz ist – jenseits der Abstandsregeln - nicht herstellbar.

 o  Begrenzung der Nutzungsdauer

Um möglichst vielen Saunagästen nacheinander die Nutzung der Kabinen unter diesen besonderen Umständen zu ermöglichen, sollte die Badedauer der Saunagäste in einer Kabine auf maximal 15 Minuten begrenzt werden. Dies ist organisatorisch leicht durch die in den Kabinen vorhandenen Sanduhren möglich. Im Regelfall verweilen die Nutzer in einer finnischen Saunakabine bei ca. 90°C ca. 8-12 Minuten.

  o  Vermeidung von Warteschlangen

Wareschlangen beinhalten das latente Risiko, dass Mindestabstände nicht mehr eingehalten werden und es zu einem höheren Infektionsrisiko kommen kann. Entsprechend sind Maßnahmen zu installieren, mit denen die Bildung von Warteschlangen verhindert werden kann.

Von Warteschlangen in geschlossenen Gebäuden geht dabei ein höheres Infektionsrisiko aus, als von Warteschlangen im Freiluftbereich.

Durch die ggf. beschränkte Anzahl der Nutzer einer Kabine kann es zu Wartezeiten kommen. Durch Markierungen können die Gäste gelenkt und auf die Einhaltung der Abstände hingewiesen werden. An kritischen Stellen können Barrieren oder Trennwände aufgestellt werden, die wirksam das Risiko einer Tröpfcheninfektion reduzieren.

 o  Erhöhte Hygienevorkehrungen

Bedingt durch die hohen Temperaturen der Oberflächen und die vergleichsweise geringe Luftfeuchte in den Saunakabinen, kommt es, in Abhängigkeit von der Zeit, zu einer als „thermische Desinfektion“ bezeichneten Inaktivierung von Keimen. Auf eine weitere Steigerung der Hygienemaßnahmen durch z.B. kürzere Reinigungsintervalle oder die flächige Ausbringung von wasserstoffperoxidhaltigen Reinigern kann verzichtet werden.  

o  Basishygiene

Auch wenn inzwischen unterstellt werden darf, dass alle Nutzer über die Notwendigkeit der Basishygiene (Händehygiene, Abstände, Husten- und Niesetikette, etc..) informiert sind und diese anwenden, erscheint es ratsam, die Eigenverantwortlichkeit der Nutzer zu stärken und durch Aushänge, Informationschriften, Videos, Durchsagen etc. auch die Basishygiene immer wieder zu optimieren. Da das Saunabad textilfrei erfolgt, ist die im öffentlichen Raum empfohlene Husten- und Niesetikette sinnlos. Die Nutzer der Saunakabinen sollten deshalb dazu angehalten werden, ein kleines Handtuch mit in die Kabine zu nehmen, um in Ermangelung von anderen Textilien die Hust- und Niesetikette auch in der Sauna - durch Husten oder Niesen in das Handtuch -gewährleisten zu können.

 o  Luftfeuchte

Die relative Luftfeuchte liegt im Regelfall in finnischen Saunakabinen bei 90 °C zwischen 2 und 5 %.  Die sich daraus ergebene Problematik luftgetragener Keime wurde dargestellt.

Da Saunaaufgüsse die Luftfeuchtigkeit in der Kabine erhöhen, sind gegen die Durchführung von Saunaaufgüssen keine Einwände zu erheben, sofern die Abstandsregeln befolgt werden können. Andernfalls ist auf die Durchführung von Saunaaufgüssen zu verzichten.

Um die Freisetzung von respiratorischen Tröpfchen während eines Saunaaufgusses so weit wie möglich zu reduzieren, sollte die sprachliche Kommunikation so stark wie möglich eingeschränkt werden. Die Gäste (und die Mitarbeiter) sind dazu aufzufordern, wenn möglich nur durch die Nase zu atmen und das Sprechen (weitgehend) zu unterlassen.

Da die Luftfeuchte ein entscheidendes Kriterium für die aerodynamischen Eigenschaften der respiratorischen Tröpfchen darstellt, ist für den Zeitraum einer höheren Infektionslage in Deutschland auf die Beschränkungen der Wassermengen in Saunaaufgüssen zu verzichten. Die Aufgußwassemenge sollte – wenn möglich – erhöht werden. Oberer Grenzwert sollte das Verbrühungsrisiko in Saunaanlagen bei einer Temperatur von maximal 80°C sein.

Die Luftfeuchte in den Kabinen sollte als zentraler Faktor regelmäßig durch Thermohygrometer kontrolliert und korrigiert werden.

  o  Belüftung

Das Risiko von Tröpfcheninfektionen lässt sich auch in den Saunakabinen über den Faktor „Belüftung“ sehr gut beeinflussen. Die Luftwechselzahl in den Saunakabinen sollten deshalb im Rahmen der vorgesehenen Bandbreite (5-10facher Luftwechsel) auf den oberen Grenzwert angehoben werden. Ca. 80 % der luftegtragenen Keime können so innerhalb von einer Stunde entfernt werden.

Gegen den Einsatz von Wedeltechniken während der Saunaaufgüsse bestehen wegen der sowieso schon hohen Luftdurchmischung in der Kabine keine Bedenken. Es ist im Gegenteil davon auszugehen, dass die mit der Atemluft eines Gastes ggf. freigesetzten, luftgetragenen Viren durch effiziente Wedeltechniken schneller verwirbelt und damit in der Raumluft und in der Konzentration „verdünnt“ werden. Eine kritische Anzahl von Viren könnte spekulativ damit in der Einatmungsluft verhindert werden.

Auf ein „abschlagen“ der Kunden durch Wedeltechniken sollte verzichtet werden, da damit ggf. kontaminierte Ausatmungsluft nicht verteilt oder verwirbelt, sondern auf benachbarte Gäste übertagen wird.

Die Luftwechselzahl in den Saunakabinen ist zwingend auf den oberen Zahlenwert von 10 zu erhöhen, um möglichst viele luftgetragene Viren aus der Raumluft zu entfernen.

In Abhängigkeit von der Nutzungsfrequenz und der Besucherzahl der Saunakabinen sind zusätzliche Lüftungen der Kabinen zur weiteren Steigerung der Luftwechselzahl durchzuführen. Dies könnte durch eine Zwangsbelüftung mit einem Ventilator für z.B. 5-10 Minuten pro Stunde durch das Fachpersonal erfolgen.

  

o  UVC-Strahlung

In diesen zusätzlichen Lüftungsperioden kann durch den Einsatz von UVC-Strahlern die Inaktivierungsrate von luftgetragenen Viruspartikeln durch Bestrahlung erhöht werden.

 o  Temperatur

Hochtemperierte Saunakabinen (> 80°C) sollten nicht mehr betrieben oder in der Temperatur auf maximal ca. 80°C gesenkt werden. Dadurch erhöht sich (geringfügig) die Luftfeuchtigkeit und der Eliminationsmechanismus der respiratorischen Tröpfchen durch das Absinken wird gefördert.

 

o  Schulung der Mitarbeiter

Die erarbeiteten Infektionsschutzmaßnahmen müssen von den Mitarbeitern nicht nur getragen und umgesetzt, sondern im Kundenkontakt auch den Nutzern erklärt und im negativsten Fall kontrolliert und durchgesetzt werden. Das setzt eine hohe Identifikation mit den ergriffenen Maßnahmen voraus. Dieses Ziel erreicht man im Regelfall sehr gut über unternehmensspezifische Mitarbeiterschulungen.

Die Individualhygiene der Nutzer ist durch Aufklärung und Einsatz von Fachpersonal zu fördern (Richtiges Duschen vor der Nutzung, Liegetuch in der Saunakabine etc.). Durch die zahlreichen Wasseranwendungen quillt die Haut auf, wird durchfeuchtet und die Hautbarriere wird geschwächt. 

 

o  Eigenverantwortung und Aufklärung

Der Eigenverantwortung der Mitarbeiter und Nutzer kommt bei der Umsetzung der ergriffenen Infektionsschutzmaßnahmen eine zentrale Bedeutung zu. Da insbesondere im Bereich der Saunakabinen die Wirkungsmechansimen der Infektionsschutzmaßnahmen erklärungsbedürftig sind, ist es zwingend notwendig, die Nutzer aufzuklären und zu informieren. Nur so kann sichergestellt werden, dass die – vielleicht als lästig empfundenen Hygienemaßnahmen – akzeptiert und nachhaltig umgesetzt werden. Eine umfassende Information der Nutzer kann sinnvoller Weise erfolgen über Informationsschriften zum mitnehmen, Aushänge, Videos, Durchsagen etc.. Wichtig ist die enthaltene Aufforderung nach einem angemessenen, eigenverantwortlichen Verhalten.

 

1.1.3               Ergebnis

 Kontaktinfektionen können - wegen der hohen Temperaturen in der Saunakabine und durch eine korrekte Verwendung von Saunaliegetüchern - ausgeschlossen werden.

Unter Berücksichtigung der vorgestellten Infektionsschutzmaßnahmen ist es durchaus möglich, eine Saunakabine bei Einhaltung der Mindestabstände ohne wesentlich erhöhtes Infektionsrisiko zu betreiben. Von entscheidender Bedeutung ist dabei das eigenverantwortliche Handeln der Saunagäste und die Belüftungssituation.

 Die empfohlenen Infektionsschutzmaßnahmen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, werden permanent an neue Erkenntnisse angepasst und überarbeitet und sollen helfen, den Saunabetreibern Instrumente in die Hand zu geben, die ein schnelles Wiedereröffnen der Saunaanlagen ermöglichen. Die vorgeschlagenen Infektionsschutzmaßnahmen müssen individuell an jeden Betrieb angepasst werden. Eine beliebige Kombination und/oder Ergänzung erscheint möglich und sinnvoll. Eine Garantie für die Wirksamkeit der empfohlenen Maßnahmen kann nicht übernommen werden.