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Mentholkristalle in der Sauna

Menthol ist chemisch betrachtet ein sog. zyklischer Monoterpenalkohol, der aus den ätherischen Ölen von Pflanzen der Gattung „Mentha“ – also z.B. Pfefferminzblättern - gewonnen wird. In geringen Konzentrationen (bis ca. 1 %) ist Menthol in zahlreichen Arzneimitteln enthalten, die zur Behandlung von Hautkrankheiten, Infektionen und Sportverletzungen eingesetzt werden. Neben der schmerzlindernden und juckreizstillenden Wirkung vermittelt Menthol eine kühlende Wirkung, die dazu geführt hat, dass Mentholkristalle in Saunaanlagen während des Aufgusses durch zumeist falsch oder unzureichend ausgebildete Saunamitarbeiter auf die heißen Ofensteine gegeben wird. Das in der Luft gelöste Menthol schlägt sich auf der Haut der Saunagäste nieder und führt zu einem intensiven Kaltreiz auf der Haut des Saunagastes innerhalb der heißen Saunakabine. Das entstehende Kältegefühl empfinden viele Saunagäste als angenehm und es wird dabei nicht physikalisch, sondern pharmakologisch erzeugt. Die Mentholkristalle dringen in die Haut der Saunagäste ein und binden an die Kationenkanäle der Kälterezeptoren (TRPM8), die normalerweise durch physiologische Kaltreize ausgelöst werden. Diese Kaltrezeptoren sind für das Empfinden von Kälte von zentraler Bedeutung. Ähnlich wie durch Menthol werden diese Kaltrezeptoren auch durch Eucalyptol und Icilin aktiviert, die dadurch vergleichbare Hautreaktionen zeigen. Das in scharfen Speisen enthaltene Capsaicin bindet übrigens an die TRP-Kanäle von Wärmerezeptoren und löst im Gegensatz zu Menthol ein intensives Wärmegefühl aus.

 

Auch wenn diese kühlende Hautreaktion von vielen Saunagästen als überraschend, irritierend oder angenehm empfunden wird, ist von der Verwendung von Mentholkristallen in Saunakabinen aus den unterschiedlichsten Gründen dringend abzuraten und von Betreiberseite der Einsatz von Mentholkristallen rigoros zu untersagen.

 

1.      Reines Menthol liegt in nadelförmigen Kristallen vor und ist praktisch unlöslich in Wasser. Die Herstellung eines stark verdünnten und damit ungefährlichen Aufgusswassers ist somit nicht möglich. Die Kristalle werden deshalb oft direkt auf die Aufgusssteine gegeben, was sich wegen des geringen Flammpunktes der Mentholkristalle von ca. 101 °C von selbst verbietet, da die Ofensteine im Regelfall Temperaturen zwischen 100 und 120°C aufweisen. Die Entstehung offener Flammen ist damit in der heißen und trockenen Saunakabine unvermeidlich. Das Brandrisiko ist extrem hoch und vollständig unkalkulierbar. Der Einsatz von Mentholkristallen vor diesem Hintergrund muss deshalb als „grob fahrlässig“ bis „vorsätzlich“ bewertet werden.


2.      Ein ungeschulte – oder falsch geschulter – Saunamitarbeiter könnte auf die Idee kommen, die Mentholkristalle in Ethanol zu lösen und daraus eine Gebrauchslösung herzustellen. Wegen der leichten Entflammbarkeit von Ethanol führt dieser Ansatz zum gleichen Ergebnis wie der Einsatz von reinen Kristallen.


3.      Hohe Mentholkonzentrationen – ab 1,25 % (!!!) – und reines Menthol wirken reizend auf Haut und Augen. Es ist davon auszugehen, dass die Mitarbeiter in Saunaanlagen nicht über die notwendigen Fähigkeiten, Kenntnisse und Analysewerkzeuge verfügen, um „Gebrauchslösungen“ von 0,1 bis 1,0 % erstellen zu können. Nur in diesen Konzentrationen wirkt Menthol auf der Haut kühlend. Ab 1,25 % kippt dieser Effekt und es wird ein brennendes, reizendes und schmerzendes Gefühl erzeugt. Gleichzeitig kann es zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegen Kälte kommen.


4.      Die Anwendung von Menthol bei Säuglingen, Kleinkindern und in der Schwangerschaft ist kontraindiziert.


5.      Menthol zeigt einige unerwünschte Nebenwirkungen:

   a.    Allergische Hautreaktionen (Kontaktdermatitis).

   b.    Augenreizungen

   c.    Atemstillstand und/oder Kollaps, vorwiegend bei Säuglingen und Kleinkindern.

   d.    Hautreizung bei hohen Konzentrationen (1,5 bis 15%)


6.   Durch die Bindung an die Kaltrezeptoren und die freien Nervenendigungen in der Haut des Saunagastes kommt es zu einer Gefäßweitstellung. Da die Gefäße in der Saunakabine sowieso weit gestellt werden, erhöht sich das Risiko einer orthostatischen Dysregulation. Mit Blick auf die nach der Warmanwendung anstehenden Kaltanwendungen mit einhergehenden Vasokonstriktion (Blutgefäße verengen sich), stellt sich vor dem Hintergrund der Dauer des Effektes der Gefäßweitstellung natürlich die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Anwendung von Mentholkristallen in einer Saunakabine. Der Saunagast möchte im Rahmen des gesundheitsorientierten Saunabades gerne das sog. Gefäßspiel seiner peripheren Blutgefäße trainieren und der unkundige Saunamitarbeiter vereitelt durch die Gabe von Mentholkristallen diese Wirkung.


7.      Den Sicherheitsdatenblättern für den Umgang mit Mentholkristallen lässt sich entnehmen, dass präventiv wegen der Hautreizungen, schweren Augenschäden und der Reizung der Atemwege Schutzhandschuhe und Augenschutz getragen werden müssen. Da normalerweise Labormitarbeiter nicht textilfrei arbeiten – anders als Saunamitarbeiter während eines Aufgusses - empfiehlt sich auch das Tragen eines Kittels. Auf die Argumentationskette, warum der Saunamitarbeiter den Aufguss mit Mentholkristallen mit persönlicher Schutzausrüstung durchführen muss und dabei gleichzeitig von den angeblich positiven Wirkungen der Mentholkristalle berichtet, darf man gespannt sein.


8.      Auf in Apotheken käuflich zu erwerbenden Mentholkristallen befindet sich inzwischen häufig der Warnhinweis: „Nicht für Saunaaufgüsse geeignet!“ Aus den dargestellten Gründen kann man Mentholkristalle deshalb auch nicht bei seriösen Saunafachhändlern und Aufgusslieferanten/Zulieferern kaufen.


                

Zusammenfassend ist festzustellen, dass es wirklich keinen einzigen rationalen Grund dafür gibt, potenziell gesundheitsgefährdende Wirkstoffe wie Mentholkristalle oder Formaldehydemittierende Saunaaufgussmittel im Rahmen eines angeblich gesundheitsfördernden Saunabades durch die absolut unzulänglich oder falsch geschulten Mitarbeiter einer Saunaanlage anzubieten oder anzuwenden. Leider ist immer wieder festzustellen, dass durch die fehlende fachliche Qualifikation von Saunamitarbeitern und Saunabetreibern gravierend negativ in den Badeablauf eingegriffen wird und die positiven Wirkungen des gesundheitsfördernden Saunabades ad absurdum geführt werden. Aus unserer Sicht ein zwingender Grund, die fachlich korrekte Schulung von Mitarbeitern in einer Saunaanlage durch neutrale Schulungsträger zu fordern.