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Mit Babys in die Sauna?

Menschen können - wie alle Säugetiere und Vögel - ihre Körperkerntemperatur unabhängig von der Umgebungstemperatur in engen Grenzen konstant halten. Dies erreichen sie, indem sie unterschiedliche Mechanismen zur Wärme- oder Kälteabwehr bzw. zur Wärmebildung durch einen komplizierten Regelkreis der Temperaturregulation über das vegetative Nervensystem steuern.

In kalter Umgebung reduziert der Mensch die Wärmeabgabe, indem er die Durchblutung der Arme und Beine drosselt und damit weniger Wärme nach außen verloren geht. Gleichzeitig wird mehr Wärme durch Muskelarbeit produziert (Kältezittern).

In warmer Umgebung muss der Körper vermehrt Wärme abgeben, was er bis zu einer Umgebungstemperatur von ca. 30 bis 35 °C über die physikalischen Mechanismen Wärmeleitung, Wärmemitführung und Wärmestrahlung durchführt. Da diese Mechanismen der Wärmeabgabe unter anderem von einer Temperaturdifferenz und der Größe der Oberfläche abhängen, kann bei Temperaturen oberhalb von ca. 35 bis 37°C über diese Mechanismen keine Wärme mehr abgegeben werden. Im Gegensatz zu allen anderen Säugetieren und Vögeln verfügen Menschen (und höhere Primaten sowie Pferde) allerdings noch über einen besonderen Mechanismus zur Wärmeabwehr, dem Schwitzen, der als aktiver biologischer Prozess (der produzierte Schweiß wird durch kleinste Muskelzellen auf die Hautoberfläche gepumpt) auch bei hohen Umgebungstemperaturen – wie in der Saunakabine – funktioniert. Durch die Verdunstung von Schweiß auf der Hautoberfläche wird durch die entstehende Verdunstungskälte die Hautoberfläche und dass in den Kapillaren der Hautoberfläche befindliche Blut gekühlt. Der dazu notwendige Schweiß wird in den ca. 2 Millionen Schweißdrüsen auf Veranlassung des vegetativen Nervensystems produziert. Ein hellhäutiger Mensch hat ca. 200 bis 300 Schweißdrüsen pro cm² während dunkelhäutige Menschen ungefähr doppelt so viele Schweißdrüsen besitzen. Die tatsächlich gebildete und verdunstete Schweißmenge lässt sich nur sehr schwer korrekt messen und wird unter starker Belastung (Arbeit, Sport) auf bis zu 10-15 Liter pro Tag geschätzt.

Während die Thermoregulation bei Erwachsenen im Regelfall - auch in der Sauna – annähernd mühelos funktioniert, ergeben sich aus physikalischen und biologischen Gründen bei Babys und Kleinkindern zahlreiche Einschränkungen:

1.    Gleichwarme Lebewesen geben über ihre Oberfläche ständig Wärme ab oder nehmen - wie in der Saunakabine - Wärme über die Oberfläche auf. Lebewesen mit einer kleinen Oberfläche im Verhältnis zum Volumen verlieren weniger Wärme oder nehmen weniger Wärme über die Oberfläche auf als Lebewesen mit einer großen Oberfläche. Babys und Kleinkinder haben ein im Vergleich zum Erwachsenen ungünstigeres Oberflächen-Volumen-Verhältnis und nehmen deutlich schneller Wärme auf (oder geben diese schneller ab). Darum sind Kinder besonders gegen Wärmestrahlung deutlich empfindlicher als Erwachsene und auch deutlich empfindlicher als gegen Kälteeinwirkungen.

2.    Babys und Kleinkinder haben eine deutlich dünnere Haut mit dickerer Fettschicht zur Wärmeisolation um sich vor dem „Kälteschock“ nach der Geburt zu schützen.

3.    Das vegetative Nervensystem, das unter anderem auch die Thermoregulation steuert, ist im Säuglingsalter, wie alle biologischen Systeme, noch unreif und ausgesprochen störanfällig.

4.    Weil die Haut von Kleinkindern noch nicht vollständig ausgebildet ist, sind auch die Schweißdrüsen noch nicht voll funktionsfähig. Pro Tag kann lediglich eine Schweißmenge von 500 ml verdunstet werden. Erst ein Kind im Alter von zwei bis drei Jahren ist im Stande, seine Körpertemperatur mit Hilfe der Schweißdrüsen anzupassen.

5.    Säuglingen und Kleinkindern stehen die wichtigen Mechanismen der Verhaltensthermoregulation noch nicht zur Verfügung.

 

Aus diesen Gründen sind Säuglinge und Kleinkinder nicht dazu in der Lage – insbesondere bei hohen Umgebungstemperaturen - ihre Körpertemperatur ausreichend stabil zu halten und sollten deshalb größeren Temperaturschwankungen nicht ausgesetzt werden. Insbesondere Überhitzungen bedrohen Säuglinge deutlich stärker als Unterkühlungen. Positive gesundheitliche Effekte oder rationale Gründe,  mit Säuglingen oder Kleinkindern in die Sauna zu gehen, lassen sich tatsächlich nicht formulieren.